Ferien in Coronazeiten: Viel Spaß und jede Menge Platz

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Corona hat auch die beliebten Ferienfreizeiten der Wohngruppen der Graf Recke Stiftung für Kinder und Jugendliche in diesem Jahr beeinflusst: Fahrten ins Ausland waren tabu, Masken und genügend Abstand gehörten zum Standard. Letztlich waren die Aufenthalte dennoch für alle ein großer Spaß, ob in Brandenburg, in der Eifel oder am Rhein. Mit guten Ideen wird sogar der Ersatz für den ausgefallenen Schwimmbadbesuch ein Fest. Allerdings ein nasses.

Das Erste, was den zehn Jungen aus der Sozialtherapeutischen Wohngruppe (STWG) und den Betreuungskräften in ihrer dies­jährigen Ferienfreizeit auffiel, das war der Platz. Viel Platz. Das Jugendbildungs­zentrum in Blossin ist eigentlich für 250 Kinder und Jugendliche ausgelegt, bei ihrer Ankunft im Juli waren dieses Mal jedoch nur 60 Plätze belegt. Das Land Brandenburg habe dort sonst seine Sommerschulen unter­gebracht, die aber in diesem Jahr komplett ausgefallen seien, berichtet Gabriele Trojak-Künne, Leiterin des Fachbereichs II der Graf Recke Erziehung & Bildung. Gemeinsam mit ihrer Assistentin und Projektleiterin Sabine Pletziger hat sie die Gruppe aus Düsseldorf-Wittlaer besucht – und äußert zufriedene Urlauber angetroffen.

Sicherlich, neben der geringen Aus­lastung hat Corona auch darüber hinaus einiges verändert. Das hat die STWG, die hier quasi ihre Sommerfrische verbringt, durchaus bemerkt. Gegessen wurde von den anderen Gruppen getrennt in der Mensa und auch die sonst übliche wöchentliche Disko war dieses Mal gestrichen. »Sehr zum Bedauern der Jungs«, wie Gabriele Trojak-Künne anmerkt. Schmerzlich ver­misst haben die Jugendlichen genauso den beliebten Polenmarkt in der nahen Grenz­stadt Słubice bei Frankfurt an der Oder. »Dort kaufen sie sonst gerne günstig Kla­motten ein«, sagt Sabine Pletziger. Doch wie die Wohngruppe Kompass in diesem Jahr nicht wie üblich nach Kroatien reisen konnte, fiel auch für die STWG der Trip nach Polen aus.

Das war es dann aber mit den durch Corona bedingten Einschränkungen: Auf­regende Ausflüge nach Berlin und Pots­dam waren für die jungen Reisenden weit mehr als eine Entschädigung. Die 14 Meter hohe Kletterwand auf dem großen Areal des Jugendbildungszentrums begeisterte die zehn Jungen genauso wie die zahl­reichen Wassersportangebote in Blossin, von Schwimmen über Surfen und Segeln bis Kanufahren. »Allein die vielen Boote und Bretter auf dem Wolziger See zu sehen, war imposant«, schwärmt Sabine Pletziger.

Ins Schwärmen gerieten auch die vier Mäd­chen zwischen sechs und zwölf Jahren aus der Hildener Wohngruppe Doki – und sie müssen nicht einmal mehr ein ganzes Jahr warten, bis sie erneut in die Jugendherberge Bingen aufbrechen. »Es war herausragend schön«, zeigt sich Teamleiterin Sabine Wal­ter noch immer völlig begeistert von der diesjährigen Ferienfreizeit und spricht für die gesamte Kleingruppe. Für Doki war es bereits der vierte Besuch am Rhein – und weil die fünf Tage auch dieses Mal so schön, aber so kurz waren, »haben wir für Ostern bereits wieder gebucht«, berichtet Sabine Walter.

Was hat die Reisegruppe nicht alles erlebt in diesen wenigen Tagen: Im gro­ßen Außenbereich der Jugendherberge wurden Federball und Boccia gespielt, auf dem nahe gelegenen Reiterhof bekam jedes Mädchen sein eigenes Pferd. »Da kam ihnen die Erfahrung aus unserer Reittherapie sehr gelegen«, meint Sabine Walter. Während eines Ausflugs erkundete die Gruppe zudem einen drei Kilometer langen Barfußpfad, der teilweise sogar durch die Nahe führ­te. Und weil die Kleinste aus der Gruppe sich das dann doch noch nicht getraut hat, nahm Walters Kollegin sie kurzerhand auf die Schultern. Die größeren Mädchen unter­stützten sich auf dem glitschigen Weg durch den Fluss gegenseitig, ganz nach dem Motto: »Gemeinsam schaffen wir das«, freut sich die Teamleiterin.

Eingeholt hat die Pandemie die Reisen­den dann allerdings auf der Bootstour auf dem Rhein. Nicht alle Mitreisenden hätten sich dort an die Abstandsregeln gehalten, berichtet Sabine Walter. »Unsere Mäd­chen haben sie dann darauf aufmerksam gemacht.« Überhaupt hätten diese sich vor­bildlich verhalten und wenn nötig stets ihre Masken getragen. Überzeugt hat die Team­leiterin zudem das Hygienekonzept der Binger Jugendherberge: Beispielsweise wurden die Zimmer täglich desinfiziert und das Essen wurde statt des sonst üblichen Buffets nun am Tisch serviert. »Das fanden die Mädchen ein bisschen schade«, sagt sie. Mit etwas Glück sei das allerdings in den Osterferien ja wieder anders.

Sicherheit geht in Zeiten der Coronapande­mie vor, das mussten auch die sieben Jungen aus der Wittlaerer Gruppe Sirius erfahren: Das große Schwimmbad, eigentlich ein zentrales Element ihres Sommerziels, des Center Parks Eifel, war in diesem Jahr für die Gruppe tabu. Zwar wäre ein Besuch mit vorheriger Reservierung und in einem beschränkten Zeitfenster grundsätzlich möglich gewesen, berichtet Teamleiterin Vivien Eibold. Weil beim Schwimmen und Toben im Wasser ohne Maske die Abstands­regeln zu anderen aber kaum einzuhalten seien, »haben wir aus Sicherheitsgründen das Angebot nicht wahrgenommen. Wir sind ja auch in der Verantwortung.«

Wir sind ja auch in der Verantwortung.

Vivien Eibold

Grund für Trübsal gab es für die 11- bis 15-Jährigen allerdings trotzdem nicht – im Gegenteil. Statt Wasserrutsche war in der Eifel als Ersatz eine wilde Wasserschlacht angesagt. Man habe zuvor jede Menge Spritzpistolen und Wasserbomben besorgt, erzählt Vivien Eibold. »Bei den Kids kam das super an.« Das galt auch für die Nacht­wanderung, den Besuch im Safarizoo und die Fahrt mit der Sommerrodelbahn ganz in der Nähe. Ein Ausflug führte die Gruppe nach Cochem an der Mosel und dort zur Sesselbahn: Die Fahrt zum 255 Meter hoch gelegenen Aussichtspunkt Pinnerkreuz war laut Eibold dabei »ein echtes Highlight« – im wahrsten Sinne.

Der Center Park selbst erwies sich für die Jungen und ihre Betreuung ebenso als Glücksfall: Die Reisegruppe verteilte sich auf zwei Häuser direkt nebeneinander, das soziale Leben aber fand laut der Team­leiterin in einer der Küchen und im eigenen Garten statt – bei bestem Wetter die gesam­te Woche über. Auch der große Spielplatz auf dem Gelände war, stets unter Wahrung des nötigen Abstands, vor allem für die Jüngeren ein Pluspunkt. Insgesamt sei die Ferienfreizeit trotz Corona relativ normal verlaufen – »und war rundum gelungen«, wie Vivien Eibold im Namen aller bekundet. Daher sei das diesjährige Urlaubsziel in jedem Fall eine weitere Reise wert. »Dann allerdings mit Schwimmbad.«

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Auch daheim lief vieles anders

Wie jedes Jahr gab es auch 2020 ein großes Ferienprogramm für die Daheimgebliebenen. Freizeitpädagoge Thomas Libera hatte für die jungen Menschen aus den Wohngruppen der Graf Recke Erziehung & Bildung wieder einiges an Sport- und Freizeitaktivitäten auf die Beine gestellt, wenn auch unter strengen Auflagen aufgrund der Coronapandemie. Bis zum 1. Juli hatte es auch hier sogar einen kompletten Shutdown gegeben. Rechtzeitig zum Hochsommer gab es aber wieder einige Möglichkeiten für sportliche und schöne Momente, ob beim Skimboarding und Wasserski auf entsprechenden Anlagen oder auch auf selbstgebauten Wasserrutschen auf den Arealen in Düsseldorf-Wittlaer und Hilden. Und trotz der notwendigen Vorsichtsmaßnahmen und Einschränkungen waren die Rückmeldungen der Teilnehmenden durchweg positiv, resümiert Thomas Libera.