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Im Burgviertel Garath entsteht ein wegweisendes Angebot, das einen hoch innovativen Ansatz in der Jugend- und Familienarbeit wagt. Kernfamilien stärken, Stigmatisierung bekämpfen und mit einem engagierten Fachkräfte-Team langfristige Erfolge schaffen ist das Ziel.

Das Burgviertel Garath, ein inklusives Sozialraumangebot der Graf Recke Stiftung, setzt auf die Einbeziehung der Familie, wenn es um das Kindeswohl geht. Statt ein Kind aus der Familie zu nehmen, zieht diese gleich mit in die Wohngruppe ein. Und dies alles in direkter Nachbarschaft zum »alten« Zuhause. Ein Stadtteilangebot, das seinesgleichen sucht.

Die meisten Konzepte der Jugendhilfe setzen den Fokus auf die Begleitung von Kindern und Jugendlichen. Die Graf Recke Stiftung hat diese Form entlang neuester Erkenntnisse weiterentwickelt und wagt den Schritt auf neues Terrain: Im Burgviertel Garath werden Familien nicht auseinandergerissen, sondern ziehen dort gemeinsam für einen Zeitraum von bis zu sechs Monaten ein. Die pädagogische Arbeit findet so in und mit der Familie statt und bietet damit deutlich bessere Aussichten auf eine gemeinsame Zukunft.

Abschied von Heimcharakter

Begleitet durch ein Team von pädagogischen und therapeutischen Fachkräften bietet das Burgviertel Garath einen Ort der Begleitung von Familien, in dem sie Kraft tanken und ihr weiteres Zusammenleben trainieren können. Das Quartier aus individuellen Wohneinheiten und Gemeinschaftsräumen nimmt endgültig Abschied vom früheren Heimcharakter und schafft durch differenzierte Beratungs- und Schulungsangebote die Möglichkeit, in vertrautem Umfeld gemeinsam zu lernen, alltägliche Herausforderungen zu meistern. Dies soll die Familien dazu befähigen, im Anschluss gestärkt in ihren Alltag zurückzukehren.

Das Haus steht bereit, jetzt zieht Leben ein: Das Burgviertel Garath schafft über 40 Stellen für pädagogische Fachkräfte und engagierte Therapeuten. Sie finden hier einen Raum vor, in dem sie ihre Arbeitsweise auf sehr selbstständige Art und Weise und in Zusammenarbeit mit den Familien entwickeln können. »Das hier ist wirklich was für Macher. Wer hier arbeitet kann und soll mit proaktiven Ideen einen Unterschied machen. Ich freue mich sehr darauf, hier ein multiprofessionelles Team aufzubauen,« sagt Yvonne Verhoeven, die eine Teamleitung im Burgviertel Garath übernehmen wird.

Das ist hier wirklich was für Macher.

Yvonne Verhoeven

Für pädagogische Fachkräfte, die im Burgviertel Garath eine nachhaltige Arbeit leisten möchten, hat die Graf Recke Stiftung attraktive Fakten geschaffen: Allem voran bewegt sich das Projekt fachlich weit vorn, wenn es um die Umsetzung moderner Familienarbeit geht: Es knüpft an Bereiche wie etwa systemische Beratung und Traumaqualifikation an. Mit der Arbeit direkt in der Kernfamilie können Fachkräfte strukturelle Schwierigkeiten an der Wurzel fassen und aussichtsreiche Veränderungen bewirken. Die Zusatzqualifikationen, die das Konzept erfordert, werden von der Graf Recke Stiftung finanziert.

Durch das große Team vor Ort bieten sich im Burgviertel Garath – neben der persönlichen und fachlichen Einbindung in ein starkes Netz aus Kolleginnen und Kollegen – auch flexiblere Möglichkeiten hinsichtlich der individuellen Organisation: Das Team profitiert von größerer Wahlfreiheit hinsichtlich Schichtdiensten und Arbeitszeitmodellen als es in den meisten anderen Projekten der Fall ist.

Die Graf Recke Stiftung begleitet Einsteigerinnen und Einsteiger intensiv mit einer hohen Dichte an Trainings- und Supervisionseinheiten und bietet seinen Mitarbeitenden fortlaufend die Möglichkeit zur Fortbildung oder Neuorientierung innerhalb der Organisation.

Mit dem Burgviertel Garath nimmt die Graf Recke Stiftung ein Projekt auf, das bereits vorwegnimmt, was der jüngst verabschiedete Gesetzentwurf für das neue Kinder- und Jugendstärkungsgesetz (KJSG) vorsieht: Das Gesetz soll die Kinder- und Jugendhilfe stärken und modernisieren, präventiv handeln und den Fokus noch stärker auf Hilfsangebote richten, die frühzeitig auch Eltern und ganze Familien einbeziehen. »Selbst wenn die Umstände Zuhause besonders schwierig sind, leiden Kinder immer sehr, wenn sie aus ihrer Familie genommen werden«, weiß Yvonne Verhoeven.

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Das Burgviertel Garath entstand auf dem Gelände des ehemaligen Gertrudisheim, einer Pflegeinrichtung für Senioren, in Düsseldorf-Garath. Das denkmalgeschützte Haus wurde auf die Bedürfnisse der Familienarbeit umgerüstet: Appartements von 40 bis 50 Quadratmetern bieten Familien mit Wohnbereich, Bad und Schlafzimmern einen Rückzugsort. Je drei Familien werden in einer Wohngruppe leben und dort gemeinsam Küche, Esszimmer, Gemeinschafts-, Entspannungs- und Büroräume sowie einen eigenen Garten mit Spielgeräten nutzen.


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Aus diesem Grund, so die Diplom-Sozialpädagogin, sei der Ansatz in Garath im Hinblick auf das Kindeswohl so sinnvoll. Andreas Quabeck, zuständiger Fachbereichsleiter in der Graf Recke Erziehung & Bildung, ergänzt: »So besteht die Chance, dass die Eltern, gegebenenfalls in weiteren Hilfeformen, mit den Kindern weiter zusammenleben können.« In einer ergänzenden Tagesgruppe könne dies beispielsweise in einer späteren Phase gemeinsam eingeübt und das Erlernte vertieft werden. »Damit sie im Anschluss nicht ins Nichts fallen«, so Yvonne Verhoeven.

Die Graf Recke Stiftung setzt sich gezielt dafür ein, der Stigmatisierung von »Heimkindern« entgegenzuwirken. Man lege großen Wert darauf, Kinder und Familien in ihrem gesellschaftlichen Umfeld zu belassen. Brüche und ein Herausreißen aus den gewohnten Strukturen sollen unbedingt vermieden werden. Andreas Quabeck findet dafür deutliche Worte: »Das Burgviertel Garath ist kein Heim, es ist ein Lebensraum. Familien, die hier wohnen, werden nicht nur betreut, sondern besonders in ihrer Selbstständigkeit unterstützt. Und wir mögen zwar eine Burg sein – aber unsere Zugbrücke ist immer unten.«

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