|

Im Graf Recke Quartier in Neumünster haben auch die Kleinsten ihren Platz. Monika Fedder und Angelica Dohse betreuen seit Mai 2022 in der Tagespflege jeweils bis zu fünf Kinder unter drei Jahren in familiärer Atmosphäre. Die zwei reservierten Wohnungen bieten dafür ideale Voraussetzungen, doch erst das Umfeld mit älteren Menschen und jungen Leuten mit Behinderung macht das Angebot zu etwas Besonderem. Es geht um Gemeinschaft, Miteinander, Rücksichtnahme – und zuweilen auch einen Yorkshire Terrier.

Das Graf Recke Quartier, das derzeit in Neumünster entsteht, wird ein generationsübergreifendes Projekt sein, das betreutes und inklusives Wohnen mit Nachbarschaftshilfe verbindet. Und so haben selbstverständlich die Kleinsten ebenfalls hier ihren Platz: Auf dem Areal wird in naher Zukunft eine Kindertagesstätte entstehen, ein weiteres Angebot ist im Mai 2022 bereits an den Start gegangen: Zwei Fachkräfte bieten in zwei eigens dafür reservierten Wohnungen im Erdgeschosseine Kindertagespflege für insgesamt zehn Kleinkinder an – und sind nicht nur für Kinder und deren Eltern ein Gewinn.

„Ich freue mich so sehr auf das Miteinander mit den Nachbarn“, sagt Monika Fedder von den „Rappelsnuten“. Die Fachkraft für Frühpädagogik ist gleich mit fünf Kindern zwischen einem und zwei Jahren gestartet. Jetzt berichtet sie begeistert von ersten Kontakten zu den Mietern im betreuten Wohnen nebenan: „Gerade die Älteren strahlen, wenn wir mit unserem Bollerwagen vorbeikommen“, sagt sie. Neben fünf Rappelsnuten zaubert zweifellos auch Lolle den Nachbarn dabei regelmäßig ein Lächeln ins Gesicht: Es ist der Yorkshire Terrier von Monika Fedder, Teil des Teams und Teil ihres Konzepts.

Jeder wird ein Teil des Ganzen

Der kleine Hund übernimmt in der Gruppe eine wichtige Aufgabe: Die Kinder lernten durch ihn ganz schnell, dass ein Tier kein Spielzeug sei, sagt die Pädagogin. „Wir gehen zusammen raus, füttern und bürsten Lolle gemeinsam. Und wir nehmen auf sie Rücksicht.“ Denn schon bei den Kleinsten gehe es um soziale Kompetenz und darum, dass jeder so angenommen wird, wie er ist. „Dass jeder seine Chancen bekommt, ein Teil des Ganzen zu werden“, formuliert es Monika Fedder. „Das ist der Ansatz, den ja auch die Graf Recke Stiftung vertritt.“

Und so war es für sie, die seit rund sechs Jahren in ihrer Privatwohnung bereits eine Kindertagespflege betrieb, eine glückliche Fügung, als der Fachdienst für frühkindliche Bildung der Stadt Neumünster an sie herantrat. „Ich konnte mich mit dem Leitbild des Quartiers sofort identifizieren“, sagt Monika Fedder, die künftig auch gerne ein Kind mit Behinderung aufnehmen möchte. Die neuen Räumlichkeiten bezeichnet Fedder als „ideal“. Die Kinder können dort klettern, rutschen und springen. Dass das Außengelände jetzt, im Juni, noch nicht ganz fertiggestellt ist, sei kein Problem, versichert sie. „Es gibt Sand und die Kinder sind glücklich.“ Gleich um die Ecke befinde sich zudem ein Spielplatz.

Mehr zum Thema

Das Graf Recke Quartier Neumünster setzt Maßstäbe über Schleswig-Holstein hinaus. Es bietet nicht nur Seniorinnen und Senioren mit unterschiedlichem Unterstützungsbedarf ein dauerhaftes Zuhause, sondern hier finden auch Kinder Betreuung und junge Menschen mit Unterstützungsbedarf ein neues Zuhause. Durch die Einbindung von unterschiedlichen und bedarfsgerechten Angeboten für alle Generationen entsteht echte Gemeinschaft und ein Lebenskonzept der gegenseitigen Hilfe. Informationen und Fakten rund ums Graf Recke Quartier Neumünster gibt es auf einer eigenen Seite.

Mehr erfahren

Vom Gesamtpaket überzeugt

Darüber freuen sich die derzeit drei Nachbarkinder aus der Tagespflege „Kleine Schritte“ genauso,  Enna und Lyntje etwa. Die zweijährigen Cousinen sind bei Angelica Dohse gerade zur Eingewöhnung, weshalb ihre Mütter heute ebenfalls vor Ort sind. Gianna Engel hat sich bewusst für diese Betreuungsform entschieden: Lyntje solle Kontakt zu anderen Kindern bekommen, „aber mir war die kleine Gruppe wichtig“, meint sie.  Mit zwei Jahren habe ihre Tochter ja noch einen hohen Betreuungsbedarf, sie müsse sich in die Regeln erst reinfinden. „Es wirkt alles so familiär hier, das ist toll“. Dem kann ihre Schwester Talissa Engel, Mutter von Enna, nur beipflichten. „Mich hat das Gesamtpaket überzeugt“, sagt sie. „Ich finde das Drumherum mit den älteren Menschen richtig schön.“

Angelica Dohse hört so etwas gerne. Zehn Jahre lang betrieb sie als qualifizierte Kindertagespflegeperson und Fachkraft für Frühpädagogik die „Kleinen Schritte“ in ihrer Privatwohnung, nun freut sie sich über die Möglichkeiten in den neuen Räumen. Insbesondere den abgeteilten Ruhebereich wissen sie und die Kinder zu schätzen. „Ruhezeit ist wichtig für eine gute Entwicklung, dabei können die Kinder ihre Eindrücke verarbeiten “, erklärt die Pädagogin. Das Wichtigste sei, dass die Kinder sich wohlfühlen und gerne hierherkommen. Lange Zeit habe sie zuvor nach einer passenden Räumlichkeit  gesucht, „aber niemand wollte Kinder haben, das finde ich sehr traurig“.

Grundlagen fürs Leben legen

Doch das ist zum Glück Vergangenheit. Angelica Dohse musste daher ebenfalls nicht lange überlegen, ob sie ihren Beitrag zum Graf Recke Quartier Neumünster beisteuern möchte. Der inklusive Charakter des Projekts hat sie genauso begeistert wie ihre Kollegin von den Rappelsnuten. „Alleine kann man nichts erreichen“, glaubt Monika Fedder. „Es geht nur gemeinsam.“ Und deshalb seien gemeinschaftliche Aktionen beider Gruppen fest eingeplant. Auch mit den älteren Menschen und den jungen Leuten mit Behinderung im Quartier sei vieles denkbar.

Dieses Miteinander macht für Angelica Dohse das Quartier zu etwas Besonderem. „Ich bin selbst Ausländerin“, sagt sie, „Integration ist mir wichtig“. Weitere Grundlagen der frühkindlichen Betreuung sind für sie „Liebe und Erziehung, Ernährung und Hygiene“. Damit wolle sie bei den Kindern, in den namensgebenden kleinen Schritten, die Grundlagen fürs Leben legen. „Das hilft ihnen auf ihrem weiteren Weg.“ Wo immer dieser sie auch hinführen mag. „Kinder sind so unterschiedlich“, weiß Angelica Dohse. „Das macht meine Arbeit so interessant.“

recke:newsletter

Was wir bewegen. Was uns bewegt: News und Storys aus der Graf Recke Stiftung.

Jetzt abonnieren