Kitas am Limit – Kündigung in Kamp-Lintfort

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"Kitas verzweifeln wie nie." "Kitas am Limit." "Personalmangel: Rekord bei Kita-Schließungen." Die medialen Schlagzeilen geben einen Eindruck davon, wie dramatisch die Situation in Kitas landesweit ist. In Kamp-Lintfort führt das nun zu einem Trägerwechsel. Die Hintergründe.

Seit dem Kindergartenjahr 2022/23 ist die Graf-Recke-Kindertagesstätten gGmbH Trägerin der Ev. Tageseinrichtung und Familienzentrum Arche und der Ev. Tageseinrichtung für Kinder Regenbogen in Kamp-Lintfort. Bis dahin waren sie von der örtlichen Kirchengemeinde betrieben worden. Die Graf-Recke-Kindertagesstätten gGmbH ist eine Tochter der diakonischen Graf Recke Stiftung mit Sitz in Düsseldorf, die insgesamt 17 Kindertageseinrichtungen betreibt (siehe Infokasten).

Am 31. Januar 2024 hat die Kirchengemeinde als Eigentümerin der Gebäude den Mietvertrag als auch die Kooperationsvereinbarung gekündigt. Die Kündigung erfolgte in Abstimmung mit dem Jugendamt der Stadt Kamp-Lintfort, kam für die Graf Recke Stiftung aber völlig überraschend. Der zuständige Dezernent Dr. Christoph Müllmann erklärte den Schritt so: "Die beiden Kitas der Graf-Recke-Kindertagesstätten gGmbH in Kamp-Lintfort haben mehr Ausfälle gemeldet als andere Träger. Wir erhoffen uns von einem neuen Träger, die Situation besser in den Griff zu bekommen."

Aus Sicht der Verantwortlichen der Graf-Recke-Kindertagesstätten gGmbH ist das nicht nachvollziehbar. Fachbereichsleiterin Sylvia Smajgert bestätigt, dass in den letzten Monaten immer wieder Betreuungszeiten reduziert oder einzelne Gruppen tageweise geschlossen werden mussten. Dies sei aber keiner strukturellen Unterbesetzung, sondern den Krankheitswellen geschuldet, mit denen fast alle Kindertageseinrichtungen in NRW zu kämpfen hätten.

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Die Graf-Recke-Kindertagesstätten gGmbH ist eine Tochtergesellschaft der Graf Recke Stiftung, die insgesamt 17 Kindertageseinrichtungen im Rheinland, im Ruhrgebiet, am Niederrhein und in Westfalen betreibt. In insgesamt 59 Gruppen werden 1.040 Kinder aller Altersklassen von sich stetig weiterqualifizierendem Fachpersonal betreut. Die Kitas bieten insgesamt 249 Plätze in der U3-Betreuung. Kinder im Alter ab vier Monaten werden in sechs der Kindertageseinrichtungen betreut. Ziel ist es, die kindliche Entwicklung im Bildungsprozess zu begleiten, zu fördern und zu unterstützen.

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Sie verweist gleichzeitig darauf, dass man gerade an dem Punkt gewesen sei, an dem beide Kitas personell wieder gut aufgestellt gewesen seien. "Bei Übernahme der beiden Kitas 2022 waren die Leitungsstellen nicht besetzt. Inzwischen sind diese und andere damals offenen Stellen wieder besetzt."

Ungewisse Zukunft

Dass die Stadt Kamp-Lintfort nun so schnell auf eine Kündigung der Verträge zwischen Ev. Gemeinde und Graf Recke Stiftung gedrängt habe, kam für Sylvia Smajgert unerwartet. Es sei klar gewesen, dass die Neuaufstellung der Kitas Zeit brauche. "Der Übergang bei einem Trägerwechsel ist ein gruppendynamischer Prozess und dauert zwei bis drei Jahre. Auf Grund vorliegender Bewerbungen hätten im Laufe dieses Monats sämtliche offenen Stellen besetzt werden können. Leider sind die Vertragsverhältnisse aufgrund der ungewissen Zukunft der beiden Kitas nicht zustande gekommen oder wieder rückabgewickelt worden."

Dass die Einschränkungen bei den Betreuungszeiten für die Eltern ein großes Problem seien, ist Sylvia Smajgert bewusst. Man könne und dürfe aber keine Gruppen öffnen, in denen nicht die gesetzlich vorgeschriebene Besetzung gewährleistet sei. "Gemäß Kinderbildungsgesetz NRW KiBiz müssen den Gruppen während der Betreuungszeiten regelmäßig mindestens zwei pädagogische Kräfte zugeordnet sein." Diese Vorgabe zum Wohle der Kinder sei unbedingt einzuhalten. "Man stelle sich vor was los wäre, wenn etwas passiert und sich herausstellt, dass dagegen verstoßen wurde", so Fachbereichsleiterin Smajgert. Eine Abweichung von der Vorgabe sei deshalb absolut keine Option, auch im Sinne des Kindeswohls.

Gemäß Kinderbildungsgesetz müssen den Gruppen mindestens zwei pädagogische Kräfte zugeordnet sein.

Sylvia Smajgert

Klar ist, dass Graf Recke Stiftung und Gemeinde künftig getrennte Wege gehen werden. Die Graf Recke Stiftung hat signalisiert, an guten Lösungen für einen geordneten Übergang mitzuarbeiten. Dazu gehöre, betont Sylvia Smajgert, ein fairer und transparenter Umgang miteinander.

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