Karneval 2022: Hofkonzert statt Riesensause

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Aufgrund der Pandemie werden viele traditionelle Karnevalsveranstaltungen in Einrichtungen der Graf Recke Stiftung auch 2022 ausfallen. In Hilden und Ratingen feiern die Bewohner stattdessen im ganz kleinen Kreis, bei den Senioren des Seniorenzentrums Königshof in Düsseldorf-Unterrath gastiert der Leierkastenmann im Freien. Nur für die Kinder in der Kita in Düsseldorf-Wittlaer bleibt alles, wie es war. Zumindest fast.

Die jüngste Corona-Welle scheint abzuebben, die Inzidenzen sinken. Und doch kommt die Entwicklung für viele Jecken zu spät, viele Karnevalsveranstaltungen in der Region wurden längst abgesagt. Das gilt auch für zahlreiche Termine, die in den Einrichtungen der Graf Recke Stiftung zur schönen Tradition geworden sind. Ob Menschen mit Behinderung oder Senioren, sie alle werden auch 2022 allenfalls ein Notprogramm über die tollen Tage erleben können. Nur die Kleinsten haben Glück.

„Uns ist wichtig, dass in unserer kleinen Blase alles so normal wie möglich ist“, sagt Heike Ogrinz, Leiterin der beiden Düsseldorfer Kindertagesstätten in Düsseldorf-Wittlaer. Und in der Tat wird in den beiden zur Stiftung gehörenden Einrichtungen im Walter-Kobold-Haus und an der Graf Recke Kirche fast alles so sein, wie in jedem Jahr. Der Grund: Man habe schon immer im kleinen Kreis gefeiert, erläutert Heike Ogrinz. „Nur die Kinder, ohne Eltern oder andere Gäste.“

Und so wird es auch 2022 für die Kleinen ein leckeres Buffet geben, dazu ein karnevalistisches Programm, freut sich die Kitaleiterin. „Die Kinder kommen verkleidet, es wird gesungen und getanzt.“ Auch einen ruhigeren Raum wird es wie in all den Jahren geben, zum Entspannen. Nur der sonst übliche Besuch der Kinder im benachbarten Seniorenzentrum im Walter-Kobold-Haus wird in diesem Jahr ausfallen müssen, bedauert Heike Ogrinz. „Das machen wird dann hoffentlich im nächsten Jahr wieder.“

Ihm blutet das Herz

Die Hoffnung auf 2023 trägt auch Andreas Bloch, Erzieher im Haus Hilden für Menschen mit geistiger Behinderung. Er ist Initiator der inklusiven Karnevalsparty der Graf Recke Stiftung, die in der Stadthalle schon hunderte Karnevalisten mit und ohne Behinderung begeistert hat. Aber: „In diesem Jahr haben wir nochmal alles abgesagt“, sagt er. Und so werden weder die Prinzenpaare aus Hilden und Ratingen zu Besuch sein, noch die Musik aufspielen, auch Büttenreden wird es nicht geben. Ein Prinzenpaar aus den Reihen der Einrichtungen in Hilden und Ratingen wurde in diesem Jahr erst gar nicht proklamiert.

„Mir blutet das Herz“, gesteht Andreas Bloch, zugleich aktives Mitglied beim Carnevals Comitee Hilden (CCH). „Aber die Vernunft sagt: Es geht einfach nicht.“ Und so werden die Bewohner der Wohngruppen unter sich bleiben, Karneval wohl vor dem Fernseher erleben. Vielleicht, sagt Bloch, werde man einen Thementag daraus machen – und sich Bilder aus den vergangenen Jahren anschauen. Es wäre ein schwacher Trost, aber immerhin etwas.

Die letzte inklusive Karnevalsparty fand im Februar 2020 in der Stadthalle Hilden statt.
Karnevalsfan Andreas Bloch führte mit durch das Programm.
Das Graf-Recke-Prinzenpaar, Claudia Schmuckat und Benedict Rutsatz auf der großen Bühne.

Hofkonzert im Königshof

Auch im Seniorenzentrum Zum Königshof in Düsseldorf-Unterrath wird es in diesem Jahr an Weiberfastnacht eher ruhig zugehen. Normalerweise sei dann die K.G. Unterrather Funken Blau-Gelb 1950 mit den kleinen Funkies zu Gast im großen Speisesaal des Hauses, berichtet Julia Schneider, Leiterin des Sozialtherapeutischen Dienstes. Sogar das Düsseldorfer Prinzenpaar schaue normalerweise bei den Senioren vorbei. „Aber die Vereine haben schon von sich aus alles abgesagt.“ Sie hat großes Verständnis und bedauert es doch sehr.

Ganz ohne Karneval müssen die Bewohner dennoch nicht auskommen: Zum einen sei der Königshof wie üblich geschmückt, „damit ein bisschen Stimmung aufkommt“, sagt Julia Schneider. Zum anderen wird Otto Spindler, Trompeter der angestammten Hauskapelle, am Donnerstagnachmittag mit seinem Leierkasten eigens ein Hofkonzert geben. Die Bewohner werden draußen oder an den Fenstern sitzen und unter karnevalistischen Klängen standesgemäß mit Berlinern und Altbier verköstigt. Es soll ein kleiner Ausgleich sein. Im nächsten Jahr, sagt Julia Schneider, soll es dann wieder „eine Riesensause“ geben.

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