Instrumente gegen das Virus

Der Pandemie-Projektstab unter der Leitung von Marek Leczycki ist der Ausbreitung des Coronavirus in der Graf Recke Stiftung bisher mit Erfolg entgegengetreten. Wesentlich dabei geholfen haben Reihentests und das konsequente Tragen von FFP2- Masken, erklärt Marek Leczycki im Interview mit Roelf Bleeker.

Lieber Herr Leczycki, als wir im Frühjahr ausführlich über die aktuelle Coronalage in der Graf Recke Stiftung sprachen, war Ihre Zwischenbilanz recht positiv. Wie bewerten Sie die aktuelle Lage?

Wir sind in der Graf Recke Stiftung bislang gut durch die Krise gekommen. Wir haben seit März 35 Menschen mit positi­ven Tests, von denen 34 wieder genesen sind. Eine Bewohnerin ist mit dem Virus gestorben – jedoch nicht wegen Corona, das Virus war nicht todesursächlich. Unse­re Zahlen sind im Vergleich zur Gesamt­inzidenz in Deutschland und insbesondere in Nordrhein-Westfalen sehr gut. Aber wenn wir jetzt nachlässig werden und nicht aufpassen, können wir in ein bis zwei Mona­ten schon ein Problem haben.

Damals fragte ich Sie, wie groß das Verständnis anfangs für die verhängten Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Virus in der Graf Recke Stiftung war. Sie sagten, es gab damals Unterstützung wie auch Unverständnis. Wie hat sich das im Laufe der Pandemie entwickelt? Wächst das Verständnis – oder doch eher die Ungeduld und der Wunsch, alles hinter sich zu lassen?

Ich merke schon, dass das Verständnis da ist. Ich muss aber an dieser Stelle auch sagen: Man erntet keinen Ruhm für erfolg­reiche Vorbeugung. Das ist das Präventions­paradox: Wenn man präventiv erfolgreich arbeitet, kann man nicht beweisen, was passiert wäre, wenn wir nicht so penetrant auf den Maßnahmen bestanden hätten. Ich kann aber sehr wohl sagen, dass wir uns zum Beispiel bei den Gesundheitsämtern als Graf Recke Stiftung einen guten Namen erarbeitet haben. Wir sind im guten Aus­tausch mit den Gesundheitsbehörden, und die wissen, dass wir gute Arbeit machen.

Ende Mai startete die Graf Recke Stiftung mit Reihentests in Senioreneinrichtungen in Unterrath. 250 Personen wurden in Zusammenarbeit mit dem Düsseldorfer Gesundheitsamt getestet. Acht Mitarbeitende und fünf Bewohner erhielten positive Testergebnisse. Sie alle zeigten keinerlei Symptome. Sie nannten das damals »einen deutlichen Hinweis auf eine signifikante Dunkelziffer«.

Ja, das ist der Beweis, dass das Virus zirku­liert. Und wenn wir nicht aktiv in die Reihen­testungen gegangen wären, hätte es auch in unseren Einrichtungen weiter zirkuliert. Der erste Schritt ist bei solchen Reihentests immer der schwerste, weil wir da auf Zahlen kommen, die erschrecken können. Aber in dem Moment, in dem wir die infizierten Personen kennen, können wir unsere Maß­nahmen noch viel gezielter anwenden und wir können das Infektionsgeschehen wirk­lich steuern und unkontrollierte Ausbrüche verhindern. Deshalb verfolgen wir das Thema Reihentests kontinuierlich weiter, wenn es dafür auch immer wieder Abstim­mungs- und Klärungsbedarf hinsichtlich der Kostenübernahme gibt.

Alle sprechen von der »zweiten Welle«, die erwartet wird. Was erwarten Sie?

Marek Lecyczki

ist als Pandemiekoordinator seit März zuständig für alle Fragen rund um Corona in der Graf Recke Stiftung. Im eigentlichen Beruf leitet Leczycki die Senioreneinrichtungen der Graf Recke Wohnen & Pflege in Unterrath und im Dorotheenviertel Hilden.

Da muss ich erst mal fragen: Was ist die »zweite Welle«? Sind es schon die Zahlen vom August, als wir wieder die Zahlen von Anfang Mai erreicht hatten? Oder ist es die »zweite Welle«, wenn unser Gesund­heitssystem kollabiert? Ganz deutlich wird vor allem, dass das Virus nicht mehr nur in einzeln zu bestimmenden Kohorten auf­tritt, also nicht in erster Linie in bestimmten Gruppen, Altersklassen oder an zentralen Orten, sondern im ganzen Land und durch alle Bevölkerungsschichten hindurch. Es gibt zwar immer noch Hotspots wie im März, aber inzwischen zirkuliert das Virus flächendeckend und ist dadurch sehr viel schwieriger zu kontrollieren.

Was bedeutet das für die Graf Recke Stiftung?

Wir haben uns einen Vorsprung erarbeiten können, vor allem aber beruhigt mich, dass wir inzwischen mehr über das Virus wissen und auch Instrumente haben, die wir ein­setzen können. Neben den bereits länger bekannten Maßnahmen wie Abstand und Mund-Nasen-Schutz sind unsere wichtigs­ten Instrumente jetzt die Tests und das Tra­gen insbesondere von FFP2-Masken. Denn das ist eine signifikante Erkenntnis aus den Reihentests, als wir im zeitlichen Abstand von 14 Tagen getestet und einen deutlichen Unterschied erkannt haben zwischen dem Einsatz von einfachen Mund-Nasen-Schutz nach OP-Standard und den FFP2-Masken: Dort, wo von den Mitarbeitenden FFP2-Masken getragen wurden, hat es keine wei­tere Verbreitung im Haus gegeben, obwohl das Virus da war! Auch wenn das Virus zwangsläufig immer wieder in die Ein­richtungen getragen wird, haben wir Instru­mente, um unsere Bewohner und Kollegen zu schützen.

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Das erste Interview mit Marek Leczycki als Pandemiekoordinator erschien in der recke:in 2/2020:
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Die Graf Recke Stiftung informiert laufend über die Coronalage auf ihren Extraseiten:
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