Ein Jahr im Zeichen von Corona

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Ein Jahr, an dessen Ende wir massenhafte Impfungen gegen ein Virus erwarten, das wir zu Anfang so gut wie gar nicht kannten: Das ist das Jahr 2020. Ein Recke-Rückblick in Bildern.

2020: zwölf Monate in zwölf Bildern

Ein Bild wie aus fernen Zeiten: Jubilarsehrung Ende Januar im Haus Litzbrück in Angermund.
Die letzte große Veranstaltung vor der Pandemie: Neujahrsempfang mit einem, der noch Oberbürgermeister war, und einem, der es noch werden sollte...
Corona erreicht die Stiftung: Der Vorstand beruft im März einen Pandemiestab mit Marek Lecyzcki (Mitte) als Pandemiekoordinator ein.
Erster Lockdown und Besuchsverbot in Senioreneinrichtungen: Die Bürgerstiftung Düsseldorf spendet im April Tablets für Senioren, um mit Angehörigen im Kontakt zu bleiben.
Dem Virus auf der Spur: Mit Reihentests will der Pandemiestab das Infektionsgeschehen besser steuern, die ersten finden in den Senioreneinrichrungen in Unterrath statt.
Mal was anderes als Corona: In Garath stellt die Stiftung ein neues Projekt der Jugend- und der Behindertenhilfe vor.
Umzug verschoben: Unmittelbar vor dem geplanten Einzug der Menschen mit schwerer Demenz ins Ahorn-Karree wird ein Wasserschaden festgestellt.
Wasserschaden zum Trotz: Die Unterstützung des Leuchttumrprojekts Ahorn-Karree geht weiter, hier durch die Matthias-Brock-Stiftung.
"Ich hatte Angst, wir könnten sterben": Mitarbeiterin Özlem Kaya berichtet in der recke:in über ihre Erfahrungen mit dem Virus.
Das Quartier wächst: Im Norden entsteht auf 9.000 Quadratmetern das Graf Recke Quartier Neumünster, im Oktober ist der Rohbau des ersten Bauabschnitts fertiggestellt.
Mit Bollerwagen und Sackkarre: Mit tatkräftiger Hilfe der Kinder und Jugendlichen verlief der Umzug in den Neubau auf dem Gelände der Jugendhilfe Grünau in Bad Salzuflen, der im November offiziell übergeben wurde.
Corona hat Leid und Belastungen mit sich gebracht, doch viele berührende Gesten zeigen, wie Menschen füreinander da sind: So haben Klienten und Mitarbeitende des Sozialpsychiatrischen Verbunds Geschenke für das benachbarte Seniorenheim gefertigt und verteilt.

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Januar: 250 Jahre

Auf über 250 Jahre Graf Recke Stiftung bringen es die 14 Jubilare, die im Januar im Haus Litzbrück in Angermund für ihr langjähriges Engagement geehrt werden. Petra Skodzig, Finanzvorstand, und Markus Eisele, Theologischer Vorstand, sprechen gemeinsam mit den Geschäftsbereichsleitern im Rahmen der traditionellen Jubilarsehrung den Mitarbeitenden mit 25 und mehr Berufsjahren in der Graf Recke Stiftung den Dank für ihr Wirken aus. „Sie haben viel getan, für Kinder und Jugendliche, für Schülerinnen und Schüler, für Menschen im Alter.“

Februar: Zukunftskunst

Mit einem engagierten Appell, „Zukunftsgestaltung als einen kreativen, einen lustvollen Prozess zu begreifen, der durchaus auch von der Fröhlichkeit eines Glaubens geleitet wird“, macht Uwe Schneidewind im Februar beim Neujahrsempfang den Aufschlag zum Jahresthema. »Zukunftskunst« lautet es 2020 und geht zurück auf eben jenen Professor Schneidewind, wissenschaftlicher Geschäftsführer des Wuppertal Instituts. In einer sehr gut gefüllten Graf Recke Kirche in Wittlaer-Einbrungen schlägt er den Bogen von der globalen Herausforderung durch den Klimawandel bis zur Arbeit der Graf Recke Stiftung. Zu Gast auch Düsseldorfs Oberbürgermeister Thomas Geisel. Was alles in einem Jahr geschehen kann, zeigt auch dies: Thomas Geisel verliert in der Wahl im Herbst sein Amt, Uwe Schneidewind wird zum neuen Oberbürgermeister von Wuppertal gewählt!

März: Gegen Corona

„Aktuell handelt es sich ausnahmslos um vorbeugende Maßnahmen“, erklärt Finanzvorstand Petra Skodzig im März. In der Graf Recke Stiftung gebe es bisher keinen bestätigten Corona-Krankheitsfall. „Wir tun alles, um den Normalbetrieb aufrechtzuerhalten“, so Skodzig. Im Vordergrund stehe dabei die Versorgung und Betreuung unserer Klienten. Zentrales Organ der betrieblichen Pandemie-Planung und im Kampf gegen das Coronavirus ist der Anfang März einberufene Projektstab um Pandemiekoordinator Marek Leczycki. Ende März gibt es den ersten bestätigten Coronafall in der Stiftung, die ergriffenen Maßnahmen verhindern eine Ausbreitung.

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Laufend aktuelle Infos zur Coronalage in der Graf Recke Stiftung gibt es auf den Corona-Infoseiten.
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April: Gegen die Einsamkeit

Unbezahlbare Freude in Krisenzeiten: Mit der Spende von Tablets der Bürgerstiftung Düsseldorf können Bewohner aus Senioreneinrichtungen der Graf Recke Wohnen & Pflege digitalen Besuch von ihren Familien und Freunden empfangen. „Für uns ist es eine Selbstverständlichkeit, flexibel, schnell und unbürokratisch dort zu helfen, wo Unterstützung benötigt wird“, sagt Kerstin Hommel von der Bürgerstiftung Düsseldorf. „Die Bewohner freuen sich darüber, ihre Angehörigen auf diesem Wege zu sehen“, berichtet Julia Schneider, Leiterin des Sozialtherapeutischen Dienstes im Seniorenzentrum Zum Königshof. „Oft hören wir von ihnen ganz stolz: ,Gucken Sie mal, da ist mein Enkel!'“ Später erhalten auch noch junge Menschen mit Behinderungen in Wohnangeboten der Stiftung Tablets der Bürgerstiftung.

Mai: Dem Virus auf der Spur

Ein schneller Abstrich in Mund, Nase oder Rachen, ab damit ins Labor. Wenig später ist klar, ob jemand mit dem Coronavirus infiziert ist oder nicht. Mit dieser Strategie will die Graf Recke Stiftung ab Ende Mai Klienten und Mitarbeitende in Coronazeiten noch besser schützen. Dass es dabei zu mehr bestätigten Infektionen in der Stiftung kommt, ist nur auf den ersten Blick negativ: „Nur wenn wir wissen, wer infiziert ist, auch ohne Symptome, können wir das Infektionsgeschehen wirklich steuern“, sagt Pandemiekoordinator Marek Leczycki. In der ersten Reihe Ende Mai sind im Seniorenzentrum Zum Königshof, dem Quartiershaus Am Röttchen und dem ambulanten Pflegedienstes recke:mobil in Düsseldorf-Unterrath 250 Mitarbeitende und Bewohner auf das Coronavirus getestet worden. Acht Mitarbeitende und fünf Bewohner erhalten positive Testergebnisse. Das Überraschende: Sie alle zeigen keinerlei Symptome. Für den Pandemiekoordinator der Graf Recke Stiftung, Marek Leczycki, ein deutlicher Hinweis auf eine signifikante Dunkelziffer auch in der gesamten Gesellschaft.

Juni: Neue Ideen für Garath

Im Juni stellt die Graf Recke Stiftung ihre Pläne zur Nachnutzung des ehemaligen Altenwohnheims St. Hildegard in Garath vor. Zuvor hatte es Unruhe gegeben: Nachbarschaft und Stadtteilpolitiker waren, so schreibt die Rheinische Post im Juni, „sauer auf die Verwaltung wegen der schlechten Information“. In einer im September einberufenen Infoveranstaltung erklärt Markus Eisele, Theologischer Vorstand: „Es geht um die Entwicklung von Garath, es geht um Chancen für Familien und Menschen mit Behinderung.“ Ein knappes Dutzend Anwohner und Interessierte waren gekommen und hatten kritische Fragen mitgebracht. Am gleichen Tag machte die Bezirksvertretung den Weg für das Projekt durch eine Nutzungsänderung des ehemaligen Pflegeheims frei. Dort sollen künftig junge Menschen, Familien und Menschen mit Behinderung leben und begleitet werden.

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Darum geht es in Garath: Auf einer Infoseite für interessierte Bürgerinnen und Bürger beantwortet die Stiftung Fragen.
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Juli: Großes Pech

Kurz vorm Einzug der ersten Bewohner ins neue Ahorn-Karree im Dorotheenviertel Hilden ist eintretendes Wasser im Erdgeschoss festgestellt worden. Ursächlich sind nach ersten Erkenntnissen mangelhafte Abdichtungen. „Diese Verzögerung kurz vor Fertigstellung ist wirklich ein großes Pech“, sagt Markus Eisele, Theologischer Vorstand der Graf Recke Stiftung. „Das Umzugsunternehmen stand schon vor der Tür.“ Nach der unmittelbar erfolgten Schadensbegrenzung sind noch viele Fragen offen, erklärt Petra Skodzig, Finanzvorstand der Graf Recke Stiftung, ein Einzug in 2020 aber schnell vom Tisch. Denn, so Skodzig: sollen die hohen baulichen Qualitätsstandards des Ahorn-Karrees unbedingt weiterverfolgt werden. „Gerade aufgrund der besonderen Anforderungen an dieses Bauprojekt werden wir zwar einen längeren Zeitraum bis zur Inbetriebnahme der Gebäude benötigen, dann aber auch die von Anfang an geplante Qualität sicherstellen: Qualität vor Eile!“

August: Großzügige Spende

Großzügige Spende: Das Leuchtturmprojekt "Ahorn-Karree" der Graf Recke Stiftung für Menschen mit schwerer Demenz hat eine Zuwendung in Höhe von 75.000 Euro von der Matthias-Brock-Stiftung erhalten. Die kürzlich festgestellte Feuchtigkeit in den beiden Häusern 3 und 4 verzögert den Einzug der Bewohnerinnen und Bewohner, ändert aber nichts an der wichtigen Unterstützung der Matthias-Brock-Stiftung. »Wir bedauern sehr, dass es zu dieser Verzögerung kommt", sagt der Kuratoriumsvorsitzende der Matthias-Brock-Stiftung, Wolf-E. Uckermann, der den Scheck an Finanzvorstand Petra Skodzig übergibt. »Aber das ändert gar nichts an unserer Unterstützung.« Martin Lindemann, Vorstand der Stiftung, ergänzt: »Wir freuen uns, hier vor Ort in Hilden das Ahorn-Karree unterstützen zu können, das neue Maßstäbe in der Begleitung und Betreuung von Menschen mit Demenz setzen wird.«

September: Die Wirkung des Virus

Özlem Kaya erkrankte im Frühjahr am Coronavirus. Und nicht nur sie: Ihre ganze Familie wurde wochenlang durch das neuartige Virus niedergestreckt. Die Sozialarbeiterin, die im Sozialpsychiatrischen Verbund arbeitet, empfand diese Zeit als lebensbedrohlich. Heute hat die 35-Jährige einen ganz anderen Blick auf die Pandemie. Im September warnt sie im Gespräch für die recke:in eindringlich all jene, die das Virus für harmlos halten.

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"Ich hatte Angst, wir könnten sterben": Özlem Kayas Bericht auf recke:on.
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Oktober: Das Quartier wächst

Da, wo noch vor einem Jahr nur eine Wiese war, nehmen die ersten Gebäude Gestalt an: An der Hansenstraße, Ecke Plöner Straße, im Neumünsteraner Stadtteil Brachenfeld / Ruthenberg sind im Oktober im Rahmen des ersten Bauabschnitts die Rohbauten fürs Betreute Wohnen bereits hochgezogen. Bis Spätsommer 2021 soll es dann fertig sein: das neue Graf Recke Quartier Neumünster. Für rund 16 Millionen Euro wird in drei Bauabschnitten neben 86 Wohnungen mit Service und Pflege auch eine Wohn-Pflege-Gemeinschaft für zwölf Menschen mit Demenz entstehen, dazu eine Tagespflege für bis zu 21 Senioren, drei ambulant betreute Wohngemeinschaften für jeweils vier junge Menschen mit Behinderung, eine Tagespflege für Kinder sowie eine Kita mit zwei Elementar- und zwei Krippengruppen. Ein ambulanter Pflegedienst für das Quartier und die Begegnungsstätte, die aus dem Quartier heraus mit Begegnungen und Angeboten in den Stadtteil und die Gemeinde wirkt, vervollständigen das Angebot. Das benachbarte Seniorenheim Haus Berlin mit 165 stationären Plätzen soll mit seinen Grundversorgungsstrukturen und den Praxen für Ergo- und Physiotherapie eng in die Quartiersarbeit eingebunden werden.

November: 20.000 Kilometer Umzug

Nach etwa eineinviertel Jahren Bauzeit ist der Neubau auf dem Gelände der Jugendhilfe Grünau fertig gestellt und zwei Gruppen aus dem Gebäude Kinderhaus sind umgezogen. Die Aufregung war bei allen Beteiligten groß, als der Termin für den Umzug festgelegt wurde. Koffer und Kartons wurden gepackt, einiges bei dieser Gelegenheit auch einmal aussortiert. Mit Hilfe von Bollerwagen und Sackkarre halfen die Kinder und Jugendlichen den Mitarbeitenden des Technischen Dienstes beim Umzug. Am Abend fielen dann alle geschafft, aber glücklich, ins Bett. Wie viel bei dieser Aktion geleistet wurde, bestätigten den Mitarbeitenden, Kindern und Jugendlichen auch die Angaben der Fitnessuhr - über 20.000 gelaufene Meter! Auf Grund der Pandemie wurde auf eine Einweihungsfeier verzichtet. Abhängig von der weiteren Pandemie-Entwicklung wird dies aber im kommenden Sommer mit einem kleinen Sommerfest nachgeholt. Zur offiziellen Übergabe kamen im November der Vorstand sowie Mitglieder des Kuratoriums der Stiftung Grünau als Eigentümer des Gebäudes sowie die Geschäftsführung und Einrichtungsleitung der Jugendhilfe Grünau zusammen.

Dezember: Trauer und Stolz

Ein Jahr wie keines zuvor geht zu Ende. Die Pandemie hat die ganze Welt im Griff und somit natürlich auch die Graf Recke Stiftung. In der Graf Recke Stiftung begleiten mehr als 2.700 Mitarbeitenden fast 4.300 Menschen. Hiervon sind, Stand 29. Dezember, seit Beginn der Pandemie 155 Personen positiv getestet worden, 131 wieder genesen. Neun Bewohner von Pflegeeinrichtungen sind mit dem Virus, vier am Coronavirus verstorben, im Seniorenheim Haus Buche im Dorotheenviertel Hilden war es im Dezember zum bislang heftigsten Ausbruch gekommen. Von 53 Bewohnerinnen und Bewohnern waren insgesamt 34 erkrankt, zehn sind gestorben. Auch 16 Mitarbeitende waren infiziert. „Wir denken besonders an die Familien, die einen lieben Angehörigen verloren haben", sagt Markus Eisele, Theologischer Vorstand der Stiftung. „Wir fühlen mit allen, die trauern, Familien, Freunde und Mitarbeitenden, die unsere Bewohner betreut haben.“

Doch neben den vielen traurigen Geschichten hat das Coronajahr 2020 auch gezeigt, wie solidarisch Menschen sind – und wie stark auch der Zusammenhalt und die Überzeugung für die wichtige Arbeit in der Graf Recke Stiftung sind. Finanzvorstand Petra Skodzig dankt deshalb allen Mitarbeitenden „für das große Engagement und die Umsicht, mit der sie die Pandemie in der Graf Recke Stiftung bislang sehr gut gemeistert haben. Wir können stolz sein, dass wir solche Mitarbeitenden haben!“