Die Geste zählt

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„Kommunikation ist Nils' große Stärke“, sagt Andreas Hopmann. Das überrascht, ist der Elfjährige aus Köln doch nicht nur kleinwüchsig, er verfügt zudem über keine Lautsprache. Bis auf „Ja“, sagt sein Vater, das habe er in der Kita-Logopädie gelernt. Doch was Nils nicht mit Worten ausdrückt, das macht er durch Gesten wett. Da ist es ein großer Vorteil, dass er in der Schule auf einen Inklusionsbegleiter der Graf Recke Stiftung setzen kann, der seine Sprache spricht.

Denn dadurch hat Nils seine bisherige Schulzeit sehr genossen. In der Rosenmaarschule im Kölner Stadtteil Höhenhaus lernen Kinder mit und ohne Behinderung seit langem gemeinsam. Die Schulwahl fiel den Eltern aus diesem Grund leicht: Bereits in der integrativen Kita, die Nils besuchte, hatten sie gespürt, dass alle Kinder, ob mit oder ohne Beeinträchtigung, stets eine Bereicherung füreinander sind. „Nils gehört selbstverständlich dazu und die anderen erkennen, dass es auch besondere Kinder gibt“, wie Andreas Hopmann es ausdrückt. „Gemeinsam, das ist sein Weg.“

Dass er diesen bestreiten konnte, lag insbesondere an der dauerhaft gesicherten Inklusionsbegleitung. „Wir haben bei der Graf Recke Stiftung eine feste Ansprechpartnerin“, freut sich Andreas Hopmann. „Und, ganz wichtig: Es gibt einen Springerdienst, so dass eine Betreuung im Prinzip immer gewährleistet ist.“ Nur so sei es für seinen Sohn überhaupt möglich, an einem normalen Schulbetrieb teilzunehmen, macht der 51-Jährige deutlich. Die durch die Lehrkräfte angestoßenen Lerninhalte würden nämlich durch den Inklusionsbegleiter „kontinuierlich in den gelebten Schulalltag übertragen, das ist extrem hilfreich“. Nicht selten sei der Inklusionsbegleiter zudem Mittler zwischen Kind, Lehrern und Mitschülern.

Im neuen Schuljahr ist dies noch bedeutender geworden: Nils geht seit dem Sommer auf die Gesamtschule Holweide, eine Regelschule. Diese habe viel Erfahrung im Bereich Inklusion, sei aber viel größer und nicht mehr so idyllisch wie die Grundschule, mit ihren Hühnern und Schafen im Garten, sagt Andreas Hopmann. Die Gesamtschule sei „mehr geprägt vom Spirit der Menschen“. Für den Elfjährigen ist das eine Umstellung, zumal, da sein kleiner Bruder nicht mehr nebenan lernt.

Seine Gesten verstehen oft nur Insider

Daher empfinden er und seine Eltern es als großes Glück, dass sein Inklusionsbegleiter von der Graf Recke Stiftung im Sommer aus der Grundschule einfach mit auf die Gesamtschule wechseln konnte. Das sei toll für seinen Sohn, sagt Andreas Hopmann. Für die Schule aber auch, „weil der Experte gleich mitkommt.“ Nils begreife nämlich alles, was man mit ihm bespreche. Seine Gesten aber verstehen oft nur Insider. Wenn er sich beispielsweise über die Wange streichelt, meint das seine Mama. „So kann er sie benennen, auch wenn sie nicht im Raum ist“, erläutert sein Vater.

An der alten Schule verstanden seine Mitschüler den Jungen mittlerweile sehr gut, an der neuen wachse das noch, sagt Andreas Hopmann, der als Trainer und Organisationsberater arbeitet. Schon von Berufs wegen weiß er, wie wichtig das Zusammenspiel der Akteure in einer Gruppe ist. In diesem Fall sei es wichtig, dass das Dreiecksverhältnis von Schule, Kind und Inklusionsbegleitung funktioniert, betont er.

Dass dies in Nils Fall so gut passt, freut Andreas Hopmann sehr. Gerade im letzten Grundschuljahr habe sein Sohn große Fortschritte in seiner Entwicklung gemacht, sagt er. Dennoch:  Seiner Frau und ihm sei es bewusst, dass ihr Sohn keinen qualifizierten Abschluss machen wird. „Aber Nils ist auf seinem Weg an einem sozialen Lernort, der für ihn wichtig ist.“ 

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