Dem Virus trotzen: Weihnachten in Coronazeiten

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Die Vorweihnachtszeit ist in diesem Jahr für alle anders. Und gerade für ältere Menschen ist die Situation oft besonders belastend. Doch viele berührende Gesten zeigen, wie Menschen weiter füreinander da sind – oder sogar mehr denn je.

Alles anders in Coronazeiten. Viele vertraute Rituale und Traditionen der Weihnachtszeit können in diesem Jahr nicht gemeinsam gelebt werden wie sonst. Sozialkontakte sind auf das absolute Minimum eingeschränkt. Doch die Menschen in der Graf Recke Stiftung und um die Stiftung herum finden sich damit nicht ab, sondern zeigen, wie ein weihnachtliches Miteinander auch in Coronazeiten funktionieren kann.

So haben sich Klientinnen und Klienten sowie Mitarbeitende des Sozialpsychiatrischen Verbunds in Düsseldorf der drohenden Isolation und Einsamkeit älteren Menschen entgegengestellt und das Projekt "Trotzt COVID 19 – mit unseren Nachbarn" ins Leben gerufen. Klientinnen und Klienten aus der Arbeitstherapie brachten ihre jeweiligen Kompetenzen aus der Schreinerei, der Wäscherei, der Küche und der Ergotherapie zusammen; es entstanden unter anderem ein Holztannenbaum, Stoffsäckchen, Weihnachtsgebäck und Weihnachtskarten mit Gedichten, Bildern, Wünschen, berichtet Bereichsleiterin Urszula Rubis. "Die Päckchen wurden dann einem benachbarten Seniorenzentrum übereicht."

160 bunte Karten

Im Dorotheenviertel Hilden überraschten Kinder des Grundschulverbunds Schulstraße die Bewohner der Seniorenheime Haus Buche und Haus Linde mit einer großen Weihnachtskarten-Bastelaktion: Schülerinnen und Schüler der ersten und vierten Klasse überbrachten Adelheid Reiners vom Sozialtherapeutischen Dienst rund 160 bunte Karten. "Wir pflegen seit Jahren Kooperationen mit jungen Menschen", sagt Adelheid Reiners, "das hat in diesem Jahr natürlich gefehlt und deshalb ist diese Aktion umso schöner."

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Die Rheinische Post berichtet von der Weihnachtskarten-Aktion im Dorotheenviertel Hilden.
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Waldkobolde mit Überraschungspaket

Besuch gabe es auch von einigen Kindern mit ihren Erziehern aus dem benachbarten Waldkindergarten „Waldkobolde“. Die Delegation übergab Sozialdienstleiterin Adelheid Reiners ein großes Weihnachtspaket mit Überraschungen für die Bewohnerinnen und Bewohner im Haus Buche. "Die Mitarbeitenden haben die Geschenke zur Freude aller im Haus", berichtet Adelheid Reiners aus dem Seniorenheim, das zuletzt von einem Coronaausbruch heftig getroffen worden war.

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Die zweite Welle des Coronavirus hat auch Teile der Graf Recke Stiftung getroffen. So gab es im Haus Buche im Dorotheenviertel Hilden den bisher weitaus heftigsten Ausbruch mit insgesamt 33 infizierten Bewohnern, von denen acht starben; bei zwei von ihnen war das Virus todesursächlich. Alle Informationen zur Pandemie in der Graf Recke Stiftung gibt es auf einer Extra-Infoseite.
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Senioren bedenken und erfreuen

Beschenkt wurden auch die Bewohner des Walter-Kobold-Hauses der Graf Recke Wohnen & Pflege in Düsseldorf-Wittlaer. Auch die Schüler der Sekundarschule am Biegerpark wollten zu Weihnachten Senioren eine Freude machen. Sie haben sich überleg,t Weihnachtskarten zu gestalten, um den Menschen in dieser schweren Zeit etwas Schönes zukommen zu lassen. "Mein Sohn hat seiner Lehrerin erzählt, dass ich im Walter-Kobold-Haus arbeite und dass es doch schön wäre, unsere Senioren zu bedenken und zu erfreuen", berichtet Wohnbereichsleitung Yvonne Kraus. Die Klassenlehrerin habe sie dann angesprochen und gefragt, wie viele Bewohner im Haus leben. "So sind gestern 146 liebevoll gestaltete Weihnachtskarten im Haus angekommen, die nun von den Wohnbereichsleitungen an unsere Bewohner verteilt und, wo nötig, auch vorgelesen werden", erzählt Yvonne Kraus.

146 Karten für 146 Seniorinnen und Senioren im Walter-Kobold-Haus haben die Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen sechs und sieben der Schule Am Biegerpark gestaltet.

Besuch vom Nikolaus

Die Bewohner des Walter-Kobold-Hauses haben außerdem Besuch vom Nikolaus alias Peter Dittert, langjähriger und inzwischen pensionierter Mitarbeiter der Graf Recke Erziehung & Bildung, bekommen. Er brachte für jeden der 143 Bewohnerinnen und Bewohner einen kleinen Nikolaus aus Pappe mit, der zudem noch mit leckerem Spritzgebäck gefüllt war. Gefertigt haben die 143 Nikoläuse drei Ehrenamtliche: "Ursula Freimuth, Heide Ribisel und Norbert Südbrack haben sich bei tagelangen Vorbereitungen richtig ins Zeug gelegt", berichtet Pfarrer Dietmar Redeker, Pfarrer bei der Graf Recke Stiftung.

... was für großartige Arbeit Sie leisten

Und dann war da noch dieser Brief aus der neunten Jahrgangsstufe des Theodor-Fliedner-Gymnasiums ans Walter-Kobold-Haus. Zwei Schülerinnen wollten dort ihr Sozialpraktikum absolvieren. Corona hat das verhindert. Jetzt schrieben die beiden, wie gern sie in der Pflegeeinrichtung hospitiert hätten, und weiter: "Da uns diese Möglichkeit nicht gegeben ist, möchten wir Ihnen in diesem Brief mitteilen, was für eine großartige Arbeit sie leisten und wie gerne wir sie dabei unterstützt hätten. Besonders in diesen Zeiten kommt es auf Helfer wie Sie an, die unser System nicht zusammenbrechen lassen. Es ist schön zu wissen, dass es Menschen wie Sie unter uns gibt."