Weg frei für Wohn- und Betreuungskonzept in Garath

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Mit ihrem mehrheitlichen Votum für eine Nutzungsänderung des ehemaligen Pflegeheims St. Hildegard in Garath hat die örtliche Bezirksvertretung den Weg frei gemacht für das Wohn- und Betreuungskonzept der Graf Recke Stiftung. Zuvor hatten Vertreter der Graf Recke Stiftung und des Investors Varro & Sanz GmbH in einer Infoveranstaltung noch einmal über die Pläne informiert und einige offene Fragen beantworten können.

"Heute geht es um die Nachnutzung des ehemaligen Altenwohnheims St. Hildegard", hatte Markus Eisele, Theologischer Vorstand der Graf Recke Stiftung, zu Beginn der Infoveranstaltung in der Matthäuskirche in direkter Nachbarschaft dieser Liegenschaft erklärt. "Es geht um die Entwicklung von Garath, es geht um Chancen für Familien und Menschen mit Behinderung." Ein knappes Dutzend Anwohner und Interessierte waren gekommen und hatten kritische Fragen mitgebracht.

Hilfen für Familien

Kein fertiges Konzept, aber umfängliche Pläne konnte Andreas Quabeck, stellvertretender Leiter der Graf Recke Erziehung & Bildung, präsentieren. "Es besteht noch erheblicher Abstimmungsbedarf, insbesondere mit der Heimaufsicht der Stadt Düsseldorf und dem Landschaftsverband Rheinland." Die zuständige Fachaufsicht der Graf Recke Erziehung & Bildung, Hans-Jürgen Fischer, stellte den aktuellen Stand der Pläne im Bereich der Jugendhilfe vor: Es gehe im Kern um stationäre, teilstationäre und ambulante Angebote für Familiene. Neu daran sei vor allem das stationäre Setting für bis zu sechs Familien, die aufgrund von Erziehungsschwierigkeiten oder Krisen im Gebäude in eigenen Wohneinheiten begleitet werden sollen. "Wir bieten Hilfen für die Familien, um den Schutzauftrag für Kinder zu gewährleisten und durch Veränderungen innerhalb der Familie neue Perspektiven zu klären", so Fischer. Dieses neue Konzept, bei dem Kinder nicht, wie bei klassischer "Heimunterbringung" aus den Familien genommen werden müssen, sei eine Weiterentwicklung bereits bewährter Angebote für Familien. In ambulanten Settings und Tagesgruppen würden vom ehemaligen St. Hildegardis-Heim aus weitere Familien begleitet. Die Teams sollen in allen Angeboten aus Pädagogen und Therapeuten zusammengesetzt sein. Im Gebäude werde darübr hinaus noch eine Wohngruppe für sieben Kinder zwischen fünf und zwölf Jahren eingerichtet. Wesentlich für all diese Angebote sei, dass die dort betreuten Menschen aus dem Umfeld kämen und auch während ihrer Begleitung durch die Graf Recke Stiftung an die sozialen Strukturen des Stadtteils angebunden blieben.

Andreas Quabeck betonte noch einmal, dass die Angebote sich an vom Jugendamt der Stadt Düsseldorf benannten Bedarfen ausrichteten. Auch das Angebot des Heilpädagogischen Verbunds in einem weiteren Flügel des Hauses sei entsprechend konzipiert, erklärte der zuständige Geschäftsbereichsleiter Reimund Weidinger. Acht Apartments für junge Menschen mit geistiger Behinderung, die hier selbstbestimmt und eigenständig wohnen, sind hier geplant. "Menschen mit Behinderung haben es auf dem freien Wohnungsmarkt oft schwer", erläuterte Weidinger. Die UN-Behindertenrechtskonvention fordere aber die Selbstbestimmung und Eigenständigkeit dieser Menschen, denen in ihren eigenen Apartments mit entsprechender Assistenz ein Leben jenseits stationärer Einrichtungen oder des Elternhauses ermöglicht wird. "So nutzen wir dieses Gebäude für die unterschiedlichen Bedarfslagen", so Weidinger.

Menschen mit Behinderung haben es auf dem freien Wohnungsmarkt oft schwer.

Reimund Weidinger

Die Vertreter der Stiftung machten deutlich, dass die neuen Angebote in Abstimmung mit den vorhandenen Angeboten im Stadtteil abgestimmt würden. "Es geht um eine Ergänzung und sinnhafte Verknüpfung", so Weidinger, und Andreas Quabeck verwies auf die geplante Einrichtung einer Stelle für einen Sozialarbeiter, der nicht nur den Kontakt zur Bevölkerung suchen, sondern auch die weiteren Bedarfslagen ausloten werde.

Mit Blick auf die anschließende Sitzung der Bezirksvertretung fragten Anwohner auch nach den rechtlichen Voraussetzungen der Pläne. Der ebenfalls anwesende Michael Pfaff vom Bauaufsichtsamt und Marius Varro vom Investor Varro & Sanz GmbH erläuterten, dass es für die Realisierung der vorgestellten Pläne einer "Befreiung von der Art der Nutzung" des Gebäudes bedürfe. Bislang habe eine Zweckbindung gegolten, wonach hier nur ein Altenheim betrieben werden dürfe. "Dies ist aber aufgrund der neuen Pflegeverordnung nicht mehr möglich", erläuterte Marius Varro. Deshalb bedürfe es einer Aufhebung dieser Zweckbindung, die die Bezirksvertretung beschließen müsse.

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Dies geschah dann auch in der Bezirksvertretungssitzung per Mehrheitsbeschluss. Stiftungsvorstand Markus Eisele kommentierte direkt anschließend die Entscheidung: „Wir sind sehr froh, dass jetzt eine wichtige Voraussetzung für die Nutzung der Liegenschaft geschaffen wurde. Jetzt kommt es darauf an, das vorliegende Konzept final mit den beteiligten Ämtern abzustimmen. Wir sind noch nicht am Ziel, aber einen deutlichen Schritt weiter, um mit diesem familienaktivierenden Angebot für Familien in Garath eine ganz neue Art von Hilfe bieten zu können.“