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Das Thema Inklusionsbegleitung nimmt wohl bei wenigen Menschen eine so wichtige Rolle ein wie bei Sabine Zambrano. Das liegt daran, dass sie diese von beiden Seiten kennt: Sie und ihr Mann haben nicht nur eine zehnjährige Tochter, die durch Mitarbeitende der Graf Recke Stiftung im Schulalltag unterstützt wird. Die 46-Jährige ist seit Anfang 2019 auch selbst als Inklusionsbegleiterin für die Stiftung tätig. Wie wichtig diese Aufgabe ist, hatte sie zu diesem Zeitpunkt längst erkannt.

„Es ist die beste Entscheidung, die ich beruflich getroffen habe“, sagt Sabine Zambrano, die 20 Jahre lang für einen Mobilfunkanbieter tätig war, mit einem Strahlen. Für sie gebe es „nichts Schöneres, als die kleinen Erfolgs- und Glücksmomente bei den Kindern zu erleben“. Sie und ihre Kolleginnen und Kollegen geben als Inklusionsbegleitungen lediglich Hilfestellung, das ist der Kölnerin wichtig. „Die Kinder machen die eigentlichen Fortschritte“, sagt sie. „Sie erledigen die Arbeit.“ 

Eines dieser Kinder ist ihre Tochter Giuliana, bei der im Alter von drei Jahren frühkindlicher Autismus diagnostiziert worden ist. Dass etwas mit ihr nicht stimmt, hatten die Eltern schon früher bemerkt. „Sie hat auf vieles nicht reagiert, sprach auch mit drei noch nicht, später kamen Fieberkrämpfe dazu“, berichtet die Mutter. Als sie nach der Geburt ihrer zweiten Tochter nach Hause gekommen sei, sei Giuliana dann komplett ausgetickt. Noch in der Nacht fuhren sie mit der großen Schwester in die Klinik. Was folgte: „Diagnostik, Therapien, das volle Programm“, sagt Zambrano.

Dass das Mädchen bis auf einzelne Worte bis heute nicht spricht, ist dabei lediglich die auffälligste Besonderheit ihrer Erkrankung. Sie sei zudem im gesamten Verhalten auffällig, brauche bei allem Unterstützung, betont Sabine Zambrano. „Ungeplant können wir nichts machen, alles braucht Struktur.“ Giuliana orientiere sich an Abläufen, die möglichst immer gleich sein müssen. „Sogar die Salatschüssel hat ihren festen Platz“, sagt die Mutter mit einem Lachen. Wie Spielen gehe, wisse ihre Tochter nicht, sie beschäftige sich viel alleine. Andererseits sei sie aber sehr neugierig.

Sabine Zambrano

ist Inklusionsbegleiterin und hat selbst eine Tochter, die begleitet wird.

Nach dem Besuch einer Kölner Regelgrundschule, bei der Giuliana bereits begleitet wurde, entdeckt die Zehnjährige seit dem Sommer wieder Neuland: eine weiterführenden Förderschule für geistige Entwicklung. Ein Inklusionsbegleiter der Stiftung unterstützt sie dabei. Zwei Klassenlehrer, eine Sozialpädagogin, mehrere Inklusionsbegleiter und junge Leute im Freiwilligendienst kümmern sich hier um insgesamt elf Kinder. „Im Moment ist das noch schwierig für sie, alles ist neu“, sagt Giulianas Mutter. Doch der junge Kollege habe einen guten Draht zu ihrer Tochter, das werde sich entwickeln. Erste Erfolge gibt es zudem: „An der neuen Schule wurde bei Guili mehr Sprachpotenzial entdeckt, was uns so nicht bewusst war.“

Ein großer Moment

Potenziale weckt Sabine Zambrano inzwischen ebenfalls, bei einem inzwischen Fünfjährigen, den sie seit 2019 in der Kita begleitet. Als Frühchen zur Welt gekommen, sei dieser stark entwicklungsverzögert, habe zudem Schwierigkeiten in der Motorik. Inzwischen sei der Junge trocken, spreche immer mehr und sei nicht mehr so sehr auf Erwachsene fixiert, sagt sie. „Als er sich zum ersten Mal an einer Stange festhielt und die Beine anhob, das war ein großer Moment. Für uns beide.“

Video: "Wahnsinn, was er geleistet hat!"

"Das ist es, was unseren Job ausmacht": Sabine Zambrano spricht im Video über die Erfolge mit dem von ihr begleiteten Jungen.

Es geht, sagt sie dann, bei der Inklusionsbegleitung immer darum, die Kinder so selbstständig wie möglich werden zu lassen. „Es wird ja nicht immer jemand da sein“, macht sie sich vor allem als Mutter so ihre Gedanken. Wobei Sabine Zambrano zwischen Familie und Job klar unterscheidet: Es seien unterschiedliche Aufgaben, die sie nie verglichen habe, meint sie. Vielleicht, sagt sie dann, könne sie sich aber tatsächlich besser in Kind und Eltern hineindenken, „weil ich selbst ein besonderes Kind habe“.

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Alle Infos zum Familien unterstützenden Dienst (FuD) der Graf Recke Stiftung gibt es auf der Homepage des FuD.
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