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Beim WCMX ist Metin in seinem Element. Dann geht’s auf der Skatebahn um coole Moves und Tricks. Bereits mit knapp fünf Jahren hat der aufgeweckte Junge aus Düsseldorf-Derendorf 2019 bei den Weltmeisterschaften in Köln teilgenommen – und wurde auf Anhieb Dritter seiner Altersklasse. Das Besondere: WCMX steht für „Wheelchair Motocross“, Rollstuhlskaten also. Denn Metin kann seine Beine nicht richtig bewegen, ist deshalb die meiste Zeit auf seinen Rolli angewiesen. Doch so geschickt er sich mit diesem im Skatepark bewegt, im Kita-Alltag ist Metin auf Unterstützung angewiesen. Und diese bekommt er seit 2019 von einer Inklusionsbegleiterin der Graf Recke Stiftung.

Seit 2019 geht der inzwischen Sechsjährige in die integrative Kindertagesstätte der Lebenshilfe, gleich bei ihm um die Ecke. „Ganz am Anfang noch ohne Begleitung“, berichtet Salihe Cürünay, Metins Mutter. Das war nicht gut. Denn der Junge war einst mit einem offenen Rücken (Spina bifida) geboren worden, musste insgesamt bereits vier Mal operiert werden, zum ersten Mal gleich nach der Geburt. Gehen kann Metin inzwischen Dank einer Metallschiene, allerdings nur wenige Meter an einem Rollator. Meistens aber sei er im Rolli unterwegs, sagt seine Mutter. „Und spätestens nach seinen Hüft-OPs hatte er dann auch einen höheren Betreuungsbedarf“.

Video: Salihe Cürünay über ihren Sohn Metin

Seit gut zwei Jahren hat Metin daher in der Kita eine dauerhafte Begleitung. Teresa sei „von Anfang an eine Top-Hilfe“ gewesen, freut sich Salihe Cürünay. Die 22-Jährige Studentin gehöre inzwischen praktisch zur Familie. Die gelernte Krankenschwester lächelt: „Ich darf auch mal Glück haben“, meint die 39-Jährige dann, kam Metins älterer Bruder doch zudem mit einem Gendefekt zur Welt und ist dadurch stark entwicklungsverzögert. Sie empfinde die Unterstützung als sehr entlastend. Allerdings sei es nicht entscheidend, was sie als Mutter von der Integrationskraft halte, sagt sie dann: „Aufs Kind kommt es an. Dass zwischen den beiden die Chemie stimmt.“

Video: In der Gesellschaft Fuß fassen

Und das tut sie: „Ich mag Teresa gern, weil sie für mich da ist“, sagt Metin mit Überzeugung. So kümmert sich die Inklusionsbegleiterin etwa um die Grundpflege bei dem Sechsjährigen, achtet darauf, dass er genügend trinkt und regelmäßig steht. Oder sie denkt sich Alternativen aus, wenn die anderen Kita-Kinder klettern oder rennen. Die beiden sammeln dann gemeinsam Blätter im Garten oder malen ein Bild, zuletzt von einer Eule, wie Metin erzählt. Dennoch gehöre ihr Sohn in der Gruppe ganz selbstverständlich dazu, freut sich Salihe Cürünay. Das habe auch mit Inklusionsbegleiterin Teresa zu tun, die den Fokus auf die Stärken ihres Kindes lege, „die Schwächen kennen wir ja schon“. Sie lacht.

AC/DC statt Kinderlieder

Wenn Metin, der lieber AC/DC hört als Kinderlieder, mit den anderen Rollstuhlskatern trainiert, ist von diesen wenig zu bemerken. Der Sechsjährige ist dann nicht nur meist der Jüngste, sondern gehört regelmäßig zu den Besten. Der Rollstuhl sei kein Hilfsmittel, „er ist sein Freund“, stellt seine Mutter klar. Neben der Weltmeisterschaft in Köln hat Metin sein Können unter anderem bereits bei WCMX-Treffen in Dortmund und Hamburg unter Beweis gestellt. Neben der integrativen Kita seien dies, wenngleich im Rolli, quasi seine ersten Schritte in die Gesellschaft, in der er später hoffentlich immer weniger Hilfestellung benötige, betont seine Mutter. „Für mich“, sagt sie dann, „ist das die Grundlage für ein besseres Leben und damit auch glücklicheres Leben“.

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