Das Graf Recke Quartier Neumünster wurde 2022 fertig. Ins Ahorn-Karree im Dorotheenviertel Hilden sind im letzten Jahr die ersten Menschen mit einer schweren Demenz eingezogen. Zwei attraktive Neubauprojekte der Graf Recke Stiftung haben in den letzten Jahren für Aufmerksamkeit gesorgt. Doch es passiert, fast ein bisschen im Verborgenen, noch viel mehr – auch und gerade mit den vielen Altbauten der Stiftung.

Die Graf Recke Stiftung ist nicht nur über 200 Jahre alt, sie besitzt auch viele jahrzehnte-, teilweise jahrhundertealte Gebäude. In Zeiten von Klimawandel und Energiekrise vor allem eine Altlast? Nicht unbedingt, meint Fabio Musca, Leiter des Referats Liegenschaften & Facility Management der Graf Recke Stiftung: "Unser Ziel ist es, auch im Bestand besser zu werden und ältere Gebäude bestmöglich zu ertüchtigen."

Fabio Muscas Lieblingsbeispiel dafür ist ein kleines, aber feines Projekt direkt an der Hauptverwaltung der Graf Recke Stiftung in Wittlaer. Dort war bis vor einiger Zeit der Sitz der Malerei der Stiftungstochter DiFS GmbH in einem früheren Werkstattgebäude des Arbeitspädagogischen Zentrums. Die zugige alte Baracke sei inzwischen nach neuesten Energiestandards mit einem Vollwärmeschutz gedämmt, erklärt Fabio Musca, für die Wärme von innen sorgt eine Wärmepumpe. Hier habe man bislang "für draußen geheizt", sagt Musca." Jetzt entspricht das Gebäude den aktuellen Energiestandards."

Der Liegenschaftsleiter stellt klar: "Ein Altbau, der mehrere hundert Jahre steht, ist über die Zeit energetisch nicht schlechter als viele Neubauten." Nachhaltigkeit heiße nicht, alles neu zu machen. Abriss und Neubau fräßen Unmengen "grauer Energie". Die umfasst alles, was für die Herstellung, Transport, Lagerung, Verkauf und Entsorgung eines Neubaus aufgewendet wurde, von allen Vorprodukten bis zur Rohstoffgewinnung.

Fabio Musca

ist Referatsleiter Liegenschaften & Facility Management

Die über hundert Jahre alten Gebäude etwa an der Grafenberger Allee in Düsseldorf, dem Standort der Graf Recke Sozialpsychiatrie & Heilpädagogik, hätten trotz schlechteren energetischen Außenhülle einen – auf die Nutzungsdauer bezogenen – kleineren ökologischen Fußabdruck als jeder Neubau.

Nachhaltigkeit bedeutet auch: erhalten

"Jedes Gebäude ist anders und benötigt individuelle Lösungen, ökonomisch und ökologisch", sagt Fabio Musca. Nachhaltigkeit bedeute "auch, zu erhalten, ein Gebäude nicht ausbluten lassen". Seit 2005 ist er in der Liegenschaftsabteilung, seit 2008 als deren Leiter. Durch Fabio Muscas heilenden Hände sind viele Gebäude gegangen. In den vergangenen Jahren sind dabei auch mehrere Blockheizkraftwerke eingebaut worden. Die, so der gelernte Hochbau- und Wirtschaftstechniker, seien "ein wenig in Verruf geraten in der aktuellen Diskussion, sie sind aber dennoch durch den hohen Wirkungsgrad und dem Prinzip der Kraft-Wärme-Kopplung CO2-einsparend".

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Beim Heizungscontracting oder auch Wärmelieferungscontracting übernimmt meist ein Energieversorger die Rolle des Contractors. Der Contractor trägt die vollen Investitionskosten für die neue Heizung und installiert sie in Kooperation in der Immobilie des Contractingnehmers. Contractingverträge laufen in der Regel 10 bis 15 Jahre. Während dieser Zeit bieten sie dem Immobilienbesitzer die Garantie für die reibungslose Funktion der Heizung, einen umfassenden Wartungsservice, schnelle Hilfe im Notfall sowie eine Garantie auf die volle Betriebsfähigkeit der Heizung.

Energetisch saniert wurden im Laufe der letzten Jahre auch die Schulgebäude in Wittlaer, an vielen anderen Orten in der Stiftung sind weitere Gebäude grundsaniert worden. Aktuell richtet Fabio Musca mit dem Stiftungsvorstand den Blick auf die großen Standorte und Häuser, um sie zukunftsfest und möglichst grün aufzustellen. Dabei will die Graf Recke Stiftung auf sogenannte Contractingmodelle zurückgreifen, um – als erstes im Seniorenzentrum Zum Königshof in Düsseldorf-Unterrath, das gerade 20-Jähriges feierte – eine Wärmeversorgung aus regenerativen Energien von 65 Prozent zu erreichen. "Wir haben dann dort nur noch geringe Mengen an Gas, den Rest besorgt eine Wärmepumpe und eine Photovoltaik-Anlage." In einem Pilotprojekt werden jetzt als erstes bis Juni Daten gesammelt, um Einsparungen zu identifizieren und später, nach der Umstellung, die Einsparungen messbar zu machen.

Weg von fossilen Brennstoffen

"Damit starten wir", verkündet der Liegenschaftsleiter. Weitere Gebäude sollen folgen. Alle Dächer entlang des Johannes-Karsch-Wegs in Wittlaer, in denen sich Wohngruppen der Jugendhilfe befinden, sollen mit Photovoltaikanlagen ausgerüstet werden, verschiedene Varianten seien in der Planung. "Wir wollen alle Gebäude so gut es geht dekarbonisieren, also möglichst wegkommen von fossilen Brennstoffen", sagt Fabio Musca.

Nicht nur bei den Gebäuden richten Vorstand, Geschäftsbereichsleitungen und Liegenschaftsleiter den Blick auf das Thema Nachhaltigkeit. Ein kaum sichtbares Bauprojekt, weil unter der Erde, ist ein großes Regenrückhaltebecken unter der Kastanienwiese in Wittlaer, das 2020 bis 2021 entstanden ist. Vorgabe des Umweltamtes sei ein Betonbecken mit etwa 750 Kubikmetern Fassungsvermögen gewesen, so Fabio Musca. "Aber wir haben es erstmalig geschafft, auf Beton zu verzichten." Stattdessen entstand ein Becken aus einer Deponiefolie und einem eingeschweißten Kastensystem.

Wir haben es erstmalig geschafft, auf Beton zu verzichten.

Fabio Musca

Dazu wurden Kunststoffkästen eingebracht, die flexibel und jederzeit erweiterbar seien, so Musca. „Merken wir in zehn Jahren, dass die Niederschlagsmengen weiter steigen, ist das Regenrückhaltebecken jederzeit ohne den ganz großen Aufwand erweiterbar.“ Angesichts der Starkregen im Zuge des Klimawandels keine bloße Spekulation.

Da das Bauwerk sich in einer Wasserschutzzone befinde, habe es einer zusätzlichen Abdichtung des Bodens und der Seitenflächen bedurft. Diese zusätzliche Abdichtung bestehe aus einer natürlichen und nachhaltigen Tonmischung. „Das gesamte Bauprojekt habe gegenüber dem Betonbecken einen deutlich kleineren ökologischen und ökonomischen Fußabdruck hinterlassen, betont der Liegenschaftsleiter der Graf Recke Stiftung.

Die Graf Recke Stiftung hat sich auf den Weg zu mehr Nachhaltigkeit gemacht. Die Bauprojekte spielen dabei eine Schlüsselrolle.

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